Wie ich füttere: Was die Forschung über Sporthunde wirklich weiss

Ich habe keine einzige Fütterungsstudie an Schutzhunden gefunden. Nicht eine. Zur Frage, wie stark der Schutzdienst den Hund überhaupt belastet, habe ich eine einzige kleine Studie mit sieben Schäferhunden gefunden. Was im Hundesport über Kohlenhydrate, Glykogen und Sportfutter erzählt wird, stammt fast vollständig von Schlittenhunden, Greyhounds und siebzehn Gewichtziehern.

Ich habe über 40 Jahre Erfahrung mit Arbeitshunden. Angefangen hat dieser Artikel mit einer einfachen Frage: Reicht reines Rohfutter einem Malinois, der hart im Schutzdienst trainiert? Um sie zu beantworten, habe ich mir die Studien selbst vorgenommen, auf die sich die Ratgeber berufen. Was dabei herauskam, ist unbequemer als das, was in den meisten Futterratgebern steht:

  • Kronfeld fütterte 1977 Renn-Schlittenhunde 28 Wochen lang mit einem Futter ganz ohne Kohlenhydrate. In seinen Messungen fand er keine Nachteile.
  • Bei echten Sprintern, Renn-Greyhounds, gibt es zwei kleine Versuche. In keinem änderten sich nur die Kohlenhydrate, immer auch das Protein. Was die Kohlenhydrate allein bewirken, zeigen sie nicht.
  • Bei Gewichtziehern brachte ein Kohlenhydrat-Riegel keinen gesicherten Effekt. Bezahlt hat die Studie Nestlé Purina.
  • Beim Schutzdienst einer IGP1 stieg das Laktat im Blut auf 7 bis 9 mmol/l. Das spricht für deutlich anaerobe Arbeit, bei der der Muskel Glykogen verbraucht. Wie viel, zeigt das Laktat nicht.
  • Wirklich belegt ist nur eines, und zwar bei Schlittenhunden: Kohlenhydrate direkt nach harter Arbeit füllen das Muskelglykogen schneller wieder auf.

Daraus habe ich meine Fütterung gebaut. Was folgt, ist keine Norm für jeden Hund, sondern meine Praxis. Bei jeder Aussage steht, worauf sie sich stützt.

Auch wer keinen Sporthund hat, findet hier einiges: wie man ein Futteretikett liest und nachrechnet, woran man bei Rohfutter denken muss und was die Forschung überhaupt weiss. Die Kohlenhydrate direkt nach der Arbeit betreffen dagegen nur Hunde, die intensiv arbeiten. Nach einem normalen Spaziergang braucht es sie nicht.

Ich füttere ein Trockenfutter für Sporthunde als Basis und gebe ein Fertig-Rohfutter dazu. Die Marken nenne ich bewusst nicht. Entscheidend ist das Nährstoffprofil, nicht der Name. Ich stehe mit keinem Futterhersteller in einer geschäftlichen Beziehung, und niemand bezahlt mich für diesen Artikel. Eine der Studien unten wurde von Purina finanziert, das sage ich dort jeweils dazu. Bei Paco teste ich seit kurzem ein anderes Trockenfutter und gebe statt Rohfutter ein gedämpftes Nassfutter dazu. Sein Kot ist fester, und vielleicht bilde ich mir ein, dass er etwas mehr Energie hat. Aber Achtung: Mehr Fasern binden den Kot, und ein paar Wochen sind kein Beweis. Die Junghunde bekommen vorerst weiter das bisherige Futter. Die Zahlen in diesem Artikel gelten für die Futter, mit denen ich im Oktober 2026 gerechnet habe.

Die Nährwerte stammen von den Etiketten der Hersteller. Die Kohlenhydrate stehen beim Trockenfutter nicht auf der Packung, ich habe sie aus den übrigen Angaben berechnet.

Belegt oder nicht: die Übersicht vorweg

AussageStandQuelle
Kohlenhydrate direkt nach harter Arbeit füllen das Glykogen schneller aufbelegt, bei Schlittenhunden nach 30 km gemessenReynolds et al. 1997
Diese Kohlenhydrate verbessern die Leistung am selben Tagnicht gesichertFrye et al. 2017
Ohne Kohlenhydrate im Futter treten Nachteile aufnicht gefunden bei Schlittenhunden über 28 Wochen; bei Hütehunden öfter tiefer Blutzucker, Bedeutung offenKronfeld et al. 1977, Gal et al. 2021
Mehr Kohlenhydrate machen Sprinter schnellernicht geklärt: in zwei kleinen Versuchen an Greyhounds änderte sich immer auch das Protein, einmal auch das FettHill et al. 2000 und 2001
Sprinter sollen 40-50 % Kohlenhydrate in der Trockenmasse bekommenExpertenempfehlung, kein FütterungsversuchCornell / Wakshlag
Schutzdienst belastet den Muskel deutlich anaerobgemessen, aber nur an 7 Hunden: Laktat 7-9 mmol/l nach dem Schutzdienst einer IGP1Cocco et al. 2026
Schutzhunde gehören zu den Sprinternmeine Einordnung, nur teilweise gestütztCocco et al. 2026
Schutzhunde brauchen gleich viele Kohlenhydrate wie Agility-Hundeoffenkeine Studie gefunden
Musher füttern Trockenfutter und Fleisch gemischtbeobachtet, 3 TeamsLoftus et al. 2014
Rohfutter aus dem Schweizer Handel enthält oft resistente Keimegemessen, 51 ProbenNüesch-Inderbinen et al. 2019
Kurz gesagt: Eine Fütterungsstudie an Schutzhunden habe ich nicht gefunden. Dass ein Hund ohne Kohlenhydrate im Futter hart arbeiten kann, zeigen Schlittenhunde. Belegt ist bei Schlittenhunden nur eines: 1,5 g Kohlenhydrate pro kg Körpergewicht direkt nach harter Arbeit füllen das Muskelglykogen schneller wieder auf. Ob das beim Schutzhund genauso wirkt, dazu habe ich keine Studie gefunden.

Kapitel 1: Was die Studien wirklich zeigen

1.1 Kronfeld: null Kohlenhydrate, kein Nachteil gemessen

Diese Studie kommt in Futterratgebern selten vor. Kronfeld und Kollegen trainierten 18 Renn-Schlittenhunde über 28 Wochen mit drei Futtern: eines lieferte 38 % der Energie aus Kohlenhydraten, eines 23 % und eines gar keine. In den gemessenen Werten zeigten die Hunde ohne Kohlenhydrate keine Nachteile. Ihre roten Blutwerte stiegen im Training sogar am stärksten. Der Hund stellt die Glukose, die er braucht, selbst her (Gluconeogenese).

Was die Studie nicht sagt, gehört genauso dazu. Gemessen wurden Blutwerte, eine Leistungsmessung nennt die Zusammenfassung nicht. Sie sagt nichts über Sprinter, und sie sagt nichts über ein bestimmtes Rohfutter von heute. Sie zeigt nur, dass Schlittenhunde ohne Kohlenhydrate im Futter hart trainieren konnten, ohne dass sich ihre Blutwerte verschlechterten. Umgekehrt beschrieb Kronfeld schon 1973, dass Schlittenhunde mit mehr als etwa 30 bis 40 % der Energie aus Kohlenhydraten unter harter Belastung Muskelsteifheit und Unterzuckerung zeigen konnten.

1.2 Reynolds: der eine sichere Befund

Reynolds und Kollegen liessen 24 trainierte Huskies 30 Kilometer laufen. Ein Teil bekam direkt danach 1,5 g Glukosepolymer pro kg Körpergewicht in Wasser. Nach vier Stunden hatten diese Hunde 49 % des verbrauchten Muskelglykogens ersetzt. Bei den Hunden ohne Gabe hatte sich in dieser Zeit noch nichts aufgefüllt. Wakshlag empfiehlt deshalb in einem Fachbeitrag Maltodextrin, 1,5 g pro kg innert 30 Minuten, für Hunde, die am Tag zwischen fünf Minuten und drei Stunden laufen, besonders wenn sie am nächsten Tag wieder gefordert sind. Gemessen wurde das Glykogen im Muskel, nicht die Leistung. Ob der Hund dadurch schneller oder kräftiger wird, sagt diese Studie nicht.

1.3 Hill: zwei Versuche an echten Sprintern

Hill und Kollegen fütterten acht Renn-Greyhounds zwei verschiedene Futter. Das eine lieferte 43 % der Energie aus Kohlenhydraten und 24 % aus Protein, das andere 30 % aus Kohlenhydraten und 37 % aus Protein. Das Fett lag in beiden bei 33 %. Mit dem zweiten liefen die Hunde auf 500 Meter im Schnitt 0,18 Sekunden langsamer. Die Autoren rechnen das in 2,6 Meter um. Im Greyhound-Rennen entscheidet das.

Ein Jahr vorher hatte dieselbe Gruppe sieben Renn-Greyhounds ein Futter mit mehr Fett und Protein und weniger Kohlenhydraten gegeben. Damit liefen die Hunde schneller, 32,81 statt 33,05 Sekunden. Auf den ersten Blick widerspricht sich das.

Der Haken: In keinem der beiden Versuche änderte sich nur ein Nährstoff. 2001 stieg das Protein, als die Kohlenhydrate sanken. 2000 änderte sich zusätzlich das Fett. Was davon den Unterschied machte, lässt sich nicht trennen. Hill hatte schon 1998 in einer Übersicht aus früheren Versuchen zusammengefasst, dass Greyhounds mit etwas mehr Fett schneller laufen und mit mehr Protein langsamer. So gelesen passen die beiden Versuche zusammen: 2000 mehr Fett, schneller; 2001 mehr Protein, langsamer. Über die Kohlenhydrate allein sagen sie wenig. Und ein Greyhound läuft eine halbe Minute am Anschlag. Schutzdienst sieht anders aus.

1.4 Frye: Kraftarbeit bei Gewichtziehern

17 Wettkampfhunde im Gewichtziehen zogen zweimal im Abstand von drei Stunden. Neun bekamen nach der ersten Serie einen Riegel mit schnell verfügbaren Kohlenhydraten und Protein, rund 3,3 g pro kg Körpergewicht, acht nicht. Mit Riegel zogen 8 von 9 in der zweiten Serie gleich viel oder mehr, ohne Riegel 4 von 8. Das sieht nach viel aus. Bei so wenigen Hunden ist es statistisch aber nicht gesichert (p = 0,13). Die Autoren werten das als keinen Effekt und halten es selbst für möglich, dass zu wenige Hunde dabei waren. Finanziert hat die Studie Nestlé Purina. Ein Mitautor arbeitet dort, und der Riegel war ein Produkt von Purina.

Zweite Zugserie: gleich viel oder mehr gezogenAnteil der Hunde, drei Stunden nach der ersten SerieMit Riegel (Kohlenhydrate und Protein): 8 von 989 %Ohne Riegel: 4 von 850 %
Quelle: Frye et al. 2017, 17 Wettkampfhunde. Der Unterschied ist statistisch nicht gesichert (p = 0,13). Finanziert von Nestlé Purina.

Wichtiger für unsere Frage ist eine andere Zahl. Das Laktat im Blut stieg nach dem Ziehen nur von 1,4 auf 2,1 mmol/l, gemessen innert einer Minute nach der Zugserie. Die Autoren folgern daraus, dass Gewichtziehen kaum anaerob ist. Renn-Greyhounds kommen nach einem Rennen auf rund 30 mmol/l. Kurz und explosiv heisst also nicht automatisch, dass der Muskel sein Glykogen leert. Beim Schutzdienst sieht das allerdings anders aus.

1.5 Cocco: Messungen beim Schutzdienst

Im April 2026 erschien eine Studie, die den Schutzdienst selbst misst (Cocco et al. 2026). Es ist die einzige dieser Art, die ich gefunden habe. Italienische Forscher begleiteten auf Sardinien sieben trainierte Deutsche Schäferhunde durch den Schutzdienst einer IGP1: Revieren, Stellen und Verbellen, Verhindern eines Fluchtversuchs, Abwehr eines Angriffs und Angriff aus der Bewegung. Das dauerte im Schnitt knapp fünf Minuten. Gemessen wurden unter anderem Laktat, Herzfrequenz und Muskelenzyme, vor der Arbeit sowie 3 und 10 Minuten danach.

Das Laktat stieg von 2,2 mmol/l in Ruhe auf 7,4 nach 3 Minuten und 9,1 nach 10 Minuten. Das ist mehr als viermal so viel wie bei den Gewichtziehern, wobei zu anderen Zeitpunkten gemessen wurde. Der Vergleich ist also grob. Das spricht dafür, dass der Muskel im Schutzdienst deutlich auch ohne Sauerstoff arbeitet und dafür Zucker aus seinem Glykogenspeicher verbraucht. Wie viel Glykogen, lässt sich aus dem Laktat allerdings nicht ablesen. Die Autoren sprechen von einer gemischten Belastung: beim Revieren eher aerob, beim Angriff anaerob. Diese Aufteilung haben sie allerdings nicht getrennt gemessen.

Laktat im Blut: wie anaerob ist die Arbeit?mmol/l, kurz nach der BelastungGewichtzieher in Ruhe1,4Gewichtzieher nach dem Ziehen2,1Schutzhund nach dem Schutzdienst IGP19,1Greyhound nach dem Rennenca. 30
Quellen: Frye et al. 2017 (Gewichtzieher, Messung innert 1 Minute nach der Zugserie; Greyhound-Wert von den Autoren zum Vergleich genannt). Cocco et al. 2026 (7 Schäferhunde, Messung 10 Minuten nach dem Schutzdienst, nach 3 Minuten 7,4).

Die Studie hat klare Grenzen: nur sieben Hunde, keine Kontrollgruppe, nur ein Teil der Prüfung, und das Glykogen selbst wurde nicht gemessen. Gefüttert wurde ein energiereiches Trockenfutter, verglichen wurden keine Futter. Eine Fütterungsstudie ist es also nicht, und sie sagt nichts darüber, ob Kohlenhydrate nach dem Schutzdienst die Erholung oder die nächste Leistung verbessern. Aber sie zeigt mit Zahlen, dass der Schutzdienst den Muskel anders belastet als das Gewichtziehen.

1.6 Was Musher wirklich füttern

Ein Team um Wakshlag von der Cornell University begleitete Hundeteams am 1’600 km langen Yukon Quest 2011 (Loftus et al. 2014). Ausgewertet wurden die drei Teams, die das Rennen beendeten. Alle drei fütterten kommerzielles Trockenfutter und dazu Fleisch: in den Mahlzeiten, im Trinkwasser und als rohe Snacks. Kein Team fütterte nur Rohfleisch. Im Durchschnitt kamen 47 % der Energie aus Fett und 16 % aus Kohlenhydraten, der Rest aus Protein. Für die erste Rennhälfte berechneten die Forscher einen Bedarf von 8’995 kcal pro Hund und Tag.

McKenzie und Kollegen fanden bei 48 Schlittenhunden, die vier Tage lang je 140 km liefen, etwas Überraschendes: Nach dem ersten Lauf war das Muskelglykogen deutlich gesunken. Danach stieg es von Tag zu Tag wieder an, weil die Hunde mit jedem Lauf weniger davon verbrauchten. Gefüttert wurde ein fettreiches Futter.

1.7 Die jüngste Fütterungsstudie: fast ohne Kohlenhydrate

Die jüngste Fütterungsstudie mit Arbeitshunden, die ich gefunden habe, kommt aus Neuseeland (Gal et al. 2021). Forscher der Massey University teilten 22 Hütehunde auf vier Farmen per Los zwei Gruppen zu. Die eine bekam ein übliches Futter mit 52 % der Energie aus Kohlenhydraten, die andere ein Futter mit nur 1 %, dafür 63 % aus Fett. Ein Sensor am Halsband mass die Bewegung, ein Glukosesensor auf der Haut alle 15 Minuten den Zucker im Gewebe.

Die Hunde ohne Kohlenhydrate bewegten sich mehr, obwohl ihr Zucker im Schnitt tiefer lag. Tiefe Werte waren selten, gut 3 % aller Messungen. Über 90 % davon stammten aber von den Hunden ohne Kohlenhydrate, meistens nachts in der Ruhe. Was das für den Hund bedeutet, ist offen, denn Normalwerte für diese Messung gibt es beim Hund noch nicht.

Die Grenzen nennen die Autoren selbst: Die Futter unterschieden sich auch in anderen Nährstoffen, und weil die Hunde abends gefüttert wurden, lässt sich die Nacht nicht von der Verdauung trennen. Gemessen wurde ausserdem Bewegung, nicht Arbeitsleistung. Die Studie sagt also nicht, dass Hunde ohne Kohlenhydrate besser arbeiten. Sie bestätigt Kronfeld: Ohne Kohlenhydrate geht es. Und sie zeigt, dass der Blutzucker dann öfter tief fällt.

1.8 Alle Studien auf einen Blick

StudieHundeWas getestet wurdeErgebnis
Kronfeld et al. 197718 Renn-Schlittenhunde, 28 WochenFutter mit 0 %, 23 % und 38 % der Energie aus Kohlenhydratenkeine nachteiligen Wirkungen ohne Kohlenhydrate
Reynolds et al. 199724 trainierte Huskies, nach 30 km1,5 g Glukosepolymer pro kg Körpergewicht direkt nach dem Laufnach 4 Stunden 49 % des verbrauchten Glykogens ersetzt, ohne Gabe noch nichts
Hill et al. 20007 Renn-Greyhoundsmehr Fett und Protein, weniger Kohlenhydrate gegen weniger Fett und Proteinmit mehr Fett und Protein schneller: 32,81 statt 33,05 s auf 500 m
Hill et al. 20018 Renn-Greyhounds43 % gegen 30 % der Energie aus Kohlenhydraten (Protein 24 % gegen 37 %)mit mehr Protein und weniger Kohlenhydraten 0,18 s langsamer auf 500 m
Loftus et al. 20143 Teams am Yukon Quest 2011was Musher im Rennen tatsächlich fütternTrockenfutter plus Fleisch, 47 % der Energie aus Fett, 16 % aus Kohlenhydraten
Frye et al. 201717 GewichtzieherRiegel mit Kohlenhydraten und Protein zwischen zwei Zugserien8 von 9 gegen 4 von 8 zogen gleich viel oder mehr, statistisch nicht gesichert
Cocco et al. 20267 Deutsche Schäferhunde, IGP1Laktat, Herzfrequenz und Muskelwerte beim Schutzdienst, kein FuttervergleichLaktat von 2,2 auf 7,4 (nach 3 Min.) und 9,1 mmol/l (nach 10 Min.)
McKenzie et al. 200848 Schlittenhunde, 4 Tage je 140 kmGlykogen im Muskel über mehrere Tage, fettreiches Futterstieg von Tag zu Tag, weil weniger verbraucht wurde
Gal et al. 202122 Hütehunde auf Farmen in Neuseeland1 % gegen 52 % der Energie aus Kohlenhydratenohne Kohlenhydrate mehr Bewegung, aber öfter tiefer Blutzucker, vor allem nachts; Leistung nicht gemessen

Kapitel 2: Wie der Hund Energie gewinnt

2.1 Drei Systeme, die gleichzeitig laufen

Der Hund gewinnt seine Energie aus drei Systemen. Sie laufen nicht nacheinander wie drei Gänge, sondern immer gleichzeitig. Je nach Belastung trägt das eine oder andere mehr bei. Die Zeitangaben in der Tabelle zeigen nur, wann ein System den Hauptanteil liefert.

SystemHauptanteil (ungefähr)EnergieträgerIm Hundesport
ATP-Kreatinphosphat-Systemerste Sekundengespeichertes ATP und KreatinphosphatAngriff, erster Sprint, Sprung
Glykolytisches Systembis etwa 2 MinutenGlukose und Glykogen (anaerob)Schutzdienstübungen, kurze Sprints
Oxidatives Systemab etwa 2 MinutenFett, Kohlenhydrate, wenig Protein (aerob)Ausdauer, Fährte, Polizeieinsatz

Die Energieträger beim Hund beschreibt zum Beispiel der Tierernährungsspezialist Justin Shmalberg (2014). Die Einteilung in drei Systeme und die Zeitgrenzen sind Richtwerte aus der allgemeinen Sportphysiologie, nicht aus Hundestudien. Für Renn-Greyhounds schreibt Shmalberg, dass die ersten Sekunden fast nur anaerob laufen und schon in der ersten Rennminute die Hälfte der Energie aerob gewonnen wird.

2.2 Fett ist der Hauptbrennstoff, Stärke kann er trotzdem

Bei langer Arbeit gewinnt ein Hund laut Wakshlag bis zu 70 % seiner Energie aus Fett. Gleichzeitig ist er kein Wolf: Hunde tragen mehr Kopien des Amylase-Gens AMY2B als Wölfe und verdauen Stärke gut (Axelsson et al. 2013, «Nature»). Kohlenhydrate braucht der Hund also nicht zwingend im Futter, nutzen kann er sie aber.

Kapitel 3: Wohin gehört der Schutzhund?

Malinois Paco von Löwenfels im Sprung über einen Zaun, Raureif und Nebel
Paco von Löwenfels im Sprung. Kurz und explosiv: Wie viel Glykogen so ein Sprung kostet, dazu habe ich beim Hund keine Messung gefunden. Foto: Tanino Gaetano Chiavaro

3.1 Die Einteilung von Cornell

Das Riney Canine Health Center der Cornell University teilt Sporthunde in drei Gruppen ein, mit Aussagen von Prof. Joseph Wakshlag:

TypBeispiele bei CornellFutterprofil laut Cornell
AusdauerSchlittenhundebis 35 % Fett in der Trockenmasse, 500-600 kcal pro Cup
Mittlere AktivitätJagdhunde, Hütehunde im offenen Gelände, Such- und Rettungshundemehr Fett und Energie im Aufbau vor Wettkämpfen, keine Prozentwerte
SprinterAgility, Dock Diving, Flyball, Lure Coursing40-50 % Kohlenhydrate und 12-17 % Fett in der Trockenmasse, 300-400 kcal pro Cup, Kohlenhydrate nach der Belastung

Ein «Cup» ist ein amerikanisches Volumenmass, rund 240 ml Trockenfutter. Die Angabe zeigt vor allem, dass Ausdauerfutter viel energiedichter ist als Sprinterfutter.

Wakshlag schlägt für Sprinter rund 30 % der Energie aus Fett und 24 % aus Protein vor, den Rest aus Kohlenhydraten. Er schreibt selbst, dass das etwa dem Profil vieler gewöhnlicher Futter für erwachsene Hunde entspricht. Ein Spezialfutter braucht es dafür also nicht.

3.2 Meine Einordnung, und wo sie wackelt

Schutzhund und Ring-Sport nennt Cornell nicht. Wegen der kurzen, explosiven Belastungen habe ich sie lange zu den Sprintern gezählt. Die Laktatwerte aus der Gewichtziehstudie haben mich daran zweifeln lassen. Die Messung beim Schutzdienst spricht wieder eher dafür: 7 bis 9 mmol/l sprechen für eine deutlich anaerobe Arbeit. Ganz passt der Schutzhund trotzdem nicht zu den Sprintern. Schutzdienst ist intermittierend: ein paar Sekunden volle Kraft, dann Pause, Unterordnung, Warten. Wie viel Glykogen ein Malinois an einem Trainingstag dabei verbraucht, dazu habe ich keine Messung gefunden. Ich gehe davon aus, dass es meist weniger ist als bei einem Agility-Hund mit mehreren Läufen am Wettkampftag. Belegen kann ich das nicht.

Kapitel 4: Was ich füttere

4.1 Futteretiketten nachrechnen: Trockenmasse und Energie

Prozentangaben bei Nährstoffen meinen den Anteil an der Trockenmasse (TM), den Anteil am Futter, wie es im Sack ist, oder den Anteil an der umsetzbaren Energie (ME). Fett liefert rund 8,5 kcal pro Gramm, Protein und Kohlenhydrate je rund 3,5 kcal (modifizierte Atwater-Faktoren nach NRC 2006). Deshalb wiegt Fett beim Energieanteil schwerer. So rechne ich das für mein Trockenfutter nach:

Nährstoffpro 100 g FutterkcalAnteil an der Energie
Protein31 g10828 %
Fett21 g17945 %
Kohlenhydrate (berechnet)rund 30 g10727 %
Total394100 %

Protein und Fett sind Herstellerangaben. Kohlenhydrate stehen nicht auf der Packung. Ich habe sie berechnet: 100 g minus Protein, Fett, Rohfaser (2 g), Rohasche (7,5 g) und Feuchte, die ich mit 8 g angenommen habe. Der Hersteller nennt 410 kcal pro 100 g, meine Rechnung ergibt 394. Der Unterschied kommt von anderen Rechenfaktoren und ändert an den Anteilen wenig.

Für Rohfutter, das sehr gut verdaulich ist, rechnet man meist mit 4 kcal pro Gramm Protein und Kohlenhydrate und 9 kcal pro Gramm Fett. Bei meinem Rohfutter ergibt das 15 × 4 + 18 × 9 = 222 kcal pro 100 g, genau die 2’220 kcal pro kg, die der Hersteller angibt. Mit dem kostenlosen Futter-Rechner von Mente Canina kannst du das für dein eigenes Futter nachrechnen. Für Rohfutter rechnet er auf dieselbe Weise, für Trockenfutter mit den genaueren Gleichungen, die die FEDIAF empfiehlt.

4.2 Die Futter im Vergleich

ProduktProteinFettKohlenhydrateAnteil KH an der EnergiePasst zum Sprinter-Profil?
Mein Rohfutter (Fertig-Rohfutter)15 %18 %0 %0 %nein, ohne Kohlenhydrate
Mein Trockenfutter (Sporthund)31 %21 %rund 30 % (berechnet)27 %nein, mehr Protein und Fett
Sprinter-Profil nach Wakshlag (Trockenmasse)24-28 %12-14 %45-50 %rund 46 %Massstab

Die Futter stehen hier so, wie sie im Sack oder in der Packung sind. Wakshlags Werte gelten für die Trockenmasse. Umgerechnet auf die Trockenmasse hat mein Trockenfutter rund 34 % Protein, 23 % Fett und 33 % Kohlenhydrate. Laut Hersteller stammen beim Rohfutter 73 % der Energie aus Fett.

Mein Trockenfutter ist reich an Protein und Fett. Gemessen an Wakshlags Vorschlag für Sprinter liegt es näher bei einem Ausdauerfutter. Ich nehme es als Basis, weil es ein vollständiges Alleinfutter ist und einem arbeitenden Hund genug Protein und Fett liefert.

4.3 Meine Mischung, nachgerechnet, und warum ich sie geändert habe

Bis vor Kurzem habe ich umgekehrt gefüttert: nach Gewicht rund 70 % Rohfutter und 30 % Trockenfutter. Für diesen Artikel habe ich das zum ersten Mal genau nachgerechnet:

KomponenteProteinFettKohlenhydratekcal
70 g Rohfutter10,5 g12,6 g0 g155
30 g Trockenfutter9,3 g6,3 g9,2 g123
100 g Mischung19,8 g18,9 g9,2 g278
Anteil an der Energie27 %61 %12 %

Energie nach den Herstellerangaben (Rohfutter 2’220 kcal pro kg, Trockenfutter 4’100 kcal pro kg). Die Anteile beim Rohfutter nach Hersteller (73 % aus Fett, 27 % aus Protein), beim Trockenfutter nach meiner Rechnung in 4.1.

Nur 12 % der Energie kamen aus Kohlenhydraten, weniger als bei den Yukon-Quest-Teams mit 16 %. Ich war überzeugt gewesen, meinen Hunden genug zu geben. Die Zahlen zeigten etwas anderes.

Heute ist das Trockenfutter die Basis, und das Rohfutter kommt dazu, rund 150 g am Tag. Für meinen Malinois mit 33 kg sieht der Tag so aus:

KomponenteMenge pro TagkcalKohlenhydrate
Trockenfutter350 g1’435107 g
Rohfutterrund 150 g3330 g
Totalrund 1’77022 % der Energie

So kommen rund 22 % der Energie aus Kohlenhydraten. An Tagen mit 50-80 g Reis nach dem Training sind es etwa 24-25 %, mit der Studienmenge von rund 175 g Reis etwa 28 %. Das bleibt knapp unter der Grenze von 30 bis 40 %, ab der Kronfeld bei Schlittenhunden Probleme sah, und deutlich unter dem, was Cornell für Sprinter nennt. Mehr Kohlenhydrate im Futter sind für den Schutzdienst nicht belegt. Belegt ist bei Schlittenhunden ihr Nutzen fürs Glykogen direkt nach harter Arbeit, und dort setze ich sie gezielt ein.

Wo meine Fütterung neben den getesteten Futtern liegtAnteil an der umsetzbaren Energie in ProzentProteinFettKohlenhydrateIn Studien getestet oder empfohlenKHKronfeld 1977, Futter A, Schlittenhunde0 %Kronfeld 1977, Futter B23 %Kronfeld 1977, Futter C38 %Yukon Quest 2011, Musher16 %Hill 2001, Greyhounds, proteinreich30 %Hill 2001, Greyhounds, moderat43 %Wakshlag, Vorschlag für Sprinter46 %Meine beiden Futter und meine FütterungKHRohfutter allein0 %Früher: 70 % Rohfutter, 30 % Trockenfutter12 %Heute: Trockenfutter mit 150 g Rohfutter22 %Trockenfutter allein27 %
Quellen: Kronfeld et al. 1977, Loftus et al. 2014 (Protein als Rest von 100 % gerechnet), Hill et al. 2001, Wakshlag. Meine Werte aus den Herstellerangaben gerechnet, ohne Reis nach dem Training. Hill 2000 fehlt, weil die genauen Anteile dort nicht in der Zusammenfassung stehen. Die Balken zeigen Anteile, keine Mengen.

4.4 Warum ich trotzdem Rohfutter dazugebe

Nicht, weil es nötig wäre. Mein Trockenfutter ist ein Alleinfutter, und dass frisches Fleisch im Napf einen gesunden Sporthund besser macht, dafür habe ich keinen Beleg gefunden. Ich gebe Rohfutter dazu, weil ich nach über 40 Jahren nicht nur Trockenfutter aus dem Sack füttern will. Das ist mein Grund, kein wissenschaftlicher. Beide Futter sind vom Hersteller als Alleinfutter deklariert. Erfüllt jedes für sich die Mindestwerte pro Kalorie, gilt das rechnerisch auch für die Mischung. Nährstoff für Nährstoff nachgeprüft habe ich das nicht. Wichtig ist nur, dass das Rohfutter Kalorien ersetzt und nicht obendrauf kommt. Die Musher am Yukon Quest machen es im Grundsatz gleich: Trockenfutter als Basis, Fleisch dazu.

Anny Malo und Marco Rivest füttern ihre Schlittenhunde ähnlich: hochwertiges Trockenfutter als Basis, mageres Rindfleisch dazu und innert 30 Minuten nach dem Training ein Kohlenhydrat-Präparat. Mehr dazu im Interview mit den beiden in dieser Ausgabe.

Malinois Paco von Löwenfels frisst aus einem Metallnapf im Garten
Paco von Löwenfels am Napf. Foto: Tanino Gaetano Chiavaro

Kapitel 5: Mein Tagesplan

Was hier steht, ist meine Praxis. Wo es dazu eine Studie gibt, nenne ich sie.

5.1 Mein Malinois, 33 kg

ZeitpunktWasMengeWarum
Nach einer harten Einheit, innert 30 MinutenGekochter weisser Reis oder Maltodextrin in Wasser50-80 g Reis (siehe Hinweis)Glykogen auffüllen
Nach dem TrainingMein Trockenfutter (Sporthund)175 gGrundversorgung
Nach dem TrainingRohfutterrund 75 gAbwechslung
AbendsMein Trockenfutter (Sporthund)175 gGrundversorgung
AbendsRohfutterrund 75 gAbwechslung
Ab und zu, zu einer MahlzeitLachsölbis 10 mlOmega-3-Fettsäuren
1-2 Mal pro WocheRohfutter mit Lachs statt der üblichen Sortegleiche MengeAbwechslung, Omega-3

Das sind zusammen rund 1’770 kcal pro Tag, mit Lachsöl etwas mehr. Die europäischen Richtlinien der FEDIAF rechnen für einen Hund mit ein bis drei Stunden intensiver Aktivität am Tag mit 125 kcal pro kg Körpergewicht hoch 0,75, für 33 kg also mit rund 1’720 kcal. Meine Menge liegt nahe an diesem Wert. An Ruhetagen gibt es die beiden Mahlzeiten morgens und abends. Massgebend ist aber der Hund, nicht die Zahl: Nimmt er zu oder ab, passe ich die Menge an.

Zur Menge nach dem Training: 50-80 g gekochter Reis enthalten nur etwa 14-22 g Kohlenhydrate. In der Studie von Reynolds waren es 1,5 g pro kg Körpergewicht, bei 33 kg also rund 50 g. Das wären etwa 175 g gekochter Reis oder gut 50 g Maltodextrin. Die Studie lief mit Schlittenhunden nach einem langen Lauf, nicht mit einem Malinois nach dem Schutzdienst. Im normalen Training gebe ich die kleinere Menge. Ob sie etwas bringt, dazu habe ich keine Studie gefunden. An Prüfungstagen oder bei mehreren harten Einheiten am selben Tag halte ich mich an die Studienmenge, und zwar möglichst innert 30 Minuten, so wie Wakshlag es beschreibt. Die volle Studienmenge bringt rund 200 bis 230 kcal zusätzlich. Wer sie oft gibt, kürzt das Trockenfutter entsprechend, bei meinem um etwa 50 g. Der Futter-Rechner rechnet das automatisch ein und kürzt dabei beide Futter anteilig.

Die Studienmenge nach Körpergewicht:

KörpergewichtKohlenhydrateMaltodextrin in Wasseroder Reis, gekocht
20 kg30 grund 32 grund 105 g
25 kg38 grund 40 grund 135 g
30 kg45 grund 47 grund 160 g
35 kg53 grund 55 grund 185 g
40 kg60 grund 63 grund 215 g

Gerechnet mit 1,5 g Kohlenhydraten pro kg Körpergewicht (Reynolds et al. 1997, Wakshlag), Maltodextrin mit rund 95 % Kohlenhydraten, gekochter weisser Reis mit rund 28 g pro 100 g (USDA). Für gesunde, ausgewachsene Hunde. Das ist die Menge aus einer Studie an Schlittenhunden nach einem 30-km-Lauf, umgerechnet aufs Körpergewicht. Eine geprüfte Empfehlung für Schutzhunde ist es nicht.

5.2 Prüfungstag

  • Am Prüfungsmorgen: eine kleine Mahlzeit 2-3 Stunden vorher, wenig Fett.
  • Zwischen den Übungen: kleine Kohlenhydrat-Snacks.
  • Nach der Prüfung: Kohlenhydrate in der Studienmenge (siehe Hinweis oben), danach eine normale Mahlzeit.

Was ich nicht mache: am Vorabend Kohlenhydrate «laden». 30 g Trockenfutter mehr sind rund 9 g Kohlenhydrate, das bringt nichts. Eine Studie, die Kohlenhydrat-Laden beim Hund belegt, kenne ich nicht.

5.3 Ruhephasen

In Trainingspausen reduziere ich die Gesamtmenge, damit der Hund nicht zunimmt. Die Waage zeigt, wie viel.

Zusätze und Trinken: Was die Forschung zu Fischöl, Vitamin E und C, Elektrolyten und anderen Zusätzen zeigt und was ich selbst gebe, steht im Artikel «Zusätze und Trinken beim Sporthund: Was belegt ist» in dieser Ausgabe.

Kapitel 6: Rohfutter und Hygiene

Wer roh füttert, muss das wissen. Forschende der Universität Zürich untersuchten 51 Rohfutterproben von Schweizer Anbietern. Rund 73 % lagen über dem Richtwert für Enterobakterien. Rund 61 % enthielten ESBL-bildende Bakterien, die gegen viele Antibiotika resistent sind. In zwei Proben fanden sie Salmonellen, in zwei Proben E. coli mit dem Gen mcr-1, das gegen das Reserveantibiotikum Colistin schützt (Nüesch-Inderbinen et al. 2019).

Das heisst nicht, dass jeder rohgefütterte Hund krank wird. Es heisst, dass Hund und Mensch diese Keime weitertragen können. So halte ich es:

  • Rohfutter gefroren lagern und im Kühlschrank auftauen.
  • Eigene Schüsseln, Bretter und Messer nur fürs Hundefutter.
  • Napf nach jeder Mahlzeit heiss abwaschen, danach Hände waschen.
  • Kleine Kinder, Schwangere und Menschen mit geschwächtem Immunsystem kommen nicht mit dem Rohfutter in Kontakt.

Kapitel 7: Meine Antwort auf die Ausgangsfrage

Reicht reines Rohfutter einem Malinois, der hart im Schutzdienst trainiert? Für die Grundversorgung sehr wahrscheinlich ja. Kronfelds Schlittenhunde arbeiteten 28 Wochen ohne Kohlenhydrate, die Hütehunde in Neuseeland bewegten sich mit fast null Kohlenhydraten sogar mehr, und der Hund baut sein Glykogen auch ohne Kohlenhydrate im Futter wieder auf. Aber langsamer: Mit Kohlenhydraten direkt nach der Arbeit war nach vier Stunden rund die Hälfte des verbrauchten Glykogens ersetzt, ohne noch nichts. Wer seinen Hund am selben oder am nächsten Tag wieder fordert, hat deshalb einen guten Grund, nach der Arbeit Kohlenhydrate zu geben, egal womit er sonst füttert. Dass der Hund dadurch besser arbeitet, zeigt die Studie allerdings nicht. Ich selbst füttere heute ein Alleinfutter mit Kohlenhydraten als Basis und gebe nach harter Arbeit zusätzlich Reis oder Maltodextrin.

Was ich nicht weiss: wie stark der Schutzdienst die Speicher wirklich leert. Die Messung beim Schutzdienst zeigt viel Laktat. Das spricht dafür, dass der Muskel deutlich auf sein Glykogen zurückgreift. Wie viel davon nach einem Trainingstag fehlt, dazu habe ich beim Schutzhund keine Messung gefunden. Dass Kohlenhydrate nach dem Schutzdienst etwas bringen, folgere ich aus dieser Messung und aus der Schlittenhundestudie. Belegt ist es für den Schutzhund nicht.

Kapitel 8: Auf einen Blick

Mein Malinois, 33 kg

WasMengeWann
Mein Trockenfutter (Sporthund)350 g pro Tagauf 2 Mahlzeiten verteilt
Rohfutterrund 150 g pro Tagauf 2 Mahlzeiten verteilt
Lachsölbis 10 mlab und zu zu einer Mahlzeit
Gekochter Reis oder Maltodextrin50-80 g Reis im Training, an Prüfungstagen ca. 175 g Reis oder gut 50 g Maltodextrinnach harter Arbeit, innert 30 Minuten
Rohfutter mit Lachsgleiche Menge wie Original1-2 Mal pro Woche

Literatur

  • Axelsson E, et al. (2013). The genomic signature of dog domestication reveals adaptation to a starch-rich diet. Nature, 495, 360-364.
  • Cocco R, Sechi S, Rizzo M, Giannetto C, Arrigo F, Pinna Parpaglia ML, Piccione G, Arfuso F (2026). Metabolic and Physiological Responses of Trained Working Dogs During the Protection Phase of the «Internationale Gebrauchshunde Prüfungs-Ordnung, Level 1» (IGP1). Veterinary Sciences, 13(4), 355. doi:10.3390/vetsci13040355
  • Cornell University, Riney Canine Health Center. Feeding your performance dog (mit Aussagen von J. J. Wakshlag). Seite bei vet.cornell.edu
  • FEDIAF (2025). Nutritional Guidelines for Complete and Complementary Pet Food for Cats and Dogs. Publication September 2025. Brüssel: The European Pet Food Industry Federation.
  • Frye CW, VanDeventer GM, Dinallo GK, Poplarski JA, Mann S, Pittman E, Zanghi BM, Wakshlag JJ (2017). The effects of a post-exercise carbohydrate and protein supplement on repeat performance, serum chemistry, insulin and glucagon in competitive weight-pulling dogs. Journal of Nutritional Science, 6. doi:10.1017/jns.2017.23. Finanziert durch Nestlé Purina Petcare.
  • Gal A, Cuttance W, Cave N, Lopez-Villalobos N, Herndon A, Giles J, Burchell R (2021). Less is more? Ultra-low carbohydrate diet and working dogs’ performance. PLoS ONE, 16(12), e0261506. doi:10.1371/journal.pone.0261506
  • Hill RC (1998). The nutritional requirements of exercising dogs. Journal of Nutrition, 128(12 Suppl), 2686S-2690S.
  • Hill RC, Bloomberg MS, Legrand-Defretin V, et al. (2000). Maintenance energy requirements and the effect of diet on performance of racing Greyhounds. American Journal of Veterinary Research, 61(12), 1566-1573.
  • Hill RC, Lewis DD, Scott KC, et al. (2001). Effect of increased dietary protein and decreased dietary carbohydrate on performance and body composition in racing Greyhounds. American Journal of Veterinary Research, 62(3), 440-447.
  • Kronfeld DS (1973). Diet and the performance of racing sled dogs. Journal of the American Veterinary Medical Association, 162, 470-473. Zitiert nach Loftus et al. 2014.
  • Kronfeld DS, Hammel EP, Ramberg CF, Dunlap HL (1977). Hematological and metabolic responses to training in racing sled dogs fed diets containing medium, low, or zero carbohydrate. American Journal of Clinical Nutrition, 30(3), 419-430.
  • Loftus JP, Yazwinski M, Milizio JG, Wakshlag JJ (2014). Energy requirements for racing endurance sled dogs. Journal of Nutritional Science, 3, e34. doi:10.1017/jns.2014.31
  • McKenzie EC, Hinchcliff KW, Valberg SJ, Williamson KK, Payton ME, Davis MS (2008). Assessment of alterations in triglyceride and glycogen concentrations in muscle tissue of Alaskan sled dogs during repetitive prolonged exercise. American Journal of Veterinary Research, 69(8), 1097-1103.
  • National Research Council (2006). Nutrient Requirements of Dogs and Cats. National Academies Press, Washington DC.
  • Nüesch-Inderbinen M, Treier A, Zurfluh K, Stephan R (2019). Raw meat-based diets for companion animals: a potential source of transmission of pathogenic and antimicrobial-resistant Enterobacteriaceae. Royal Society Open Science, 6, 191170.
  • Reynolds AJ, Carey DP, Reinhart GA, et al. (1997). Effect of postexercise carbohydrate supplementation on muscle glycogen repletion in trained sled dogs. American Journal of Veterinary Research, 58(11), 1252-1256.
  • Shmalberg J (2014). Canine performance nutrition. Today’s Veterinary Practice, November/Dezember 2014. Artikel online
  • U.S. Department of Agriculture. FoodData Central, Eintrag 168878: Rice, white, long-grain, regular, enriched, cooked.
  • Wakshlag JJ. The new age of working dogs. Fachbeitrag ohne Datum, als PDF 2015 bei petfoodindustry.com abgelegt. Die Empfehlung «1,5 g Maltodextrin pro kg innert 30 Minuten» steht dort mit Verweis auf Reynolds et al. 1997 und Wakshlag et al. 2002. PDF bei petfoodindustry.com
  • Nährwerte der Futter: Herstellerangaben auf den Packungen meiner beiden Futter (Stand Oktober 2026).

Dieser Artikel beschreibt, wie ich meine Hunde füttere, gewachsen aus über 40 Jahren Erfahrung und gestützt auf die genannte Forschung. Er ersetzt keine tierärztliche Ernährungsberatung. Jeder Hund ist anders. Mengen und Zusammensetzung im Zweifel mit einer Fachperson abstimmen. Für Welpen und Zuchthündinnen gelten andere Regeln, dazu folgt ein eigener Artikel.

Bei Fragen zur Ration: Ernährungsberatung des Instituts für Tierernährung und Diätetik, Vetsuisse-Fakultät, Universität Zürich (kostenpflichtig).

So habe ich recherchiert: Ich habe die genannten Studien im Original gelesen und im Oktober 2026 nach neueren Arbeiten gesucht. Eine Suche dieser Art kann eine Studie übersehen. Kennst du eine, die hier fehlt, oder hast du einen Fehler gefunden? Schreib mir. Ich prüfe es, korrigiere den Text und vermerke die Korrektur hier. Die Adresse findest du im Impressum.

Stand: Oktober 2026.

Ähnliche Beiträge