Brauchen Hunde nach harter Arbeit Kohlenhydrate?

Rohfutter ohne Kohlenhydrate gilt vielen als das beste Futter für Sporthunde. Der Hund sei ein Fleischfresser, Stärke brauche er nicht. Ich habe über 40 Jahre Erfahrung mit Arbeitshunden und wollte wissen, was davon belegt ist. Hier die Kurzfassung.

Die Frage

Ein Hund, der im Schutzdienst angreift, sprintet und springt, braucht dafür unter anderem Glykogen, den Zuckerspeicher im Muskel. Reicht ein Futter ganz ohne Kohlenhydrate, um diesen Speicher wieder zu füllen?

Was Schlittenhunde zeigen

Der Ernährungsforscher David Kronfeld fütterte 1977 Renn-Schlittenhunde 28 Wochen lang mit einem Futter ohne Kohlenhydrate. In seinen Messungen fand er keine Nachteile. Der Hund stellt die Glukose, die er braucht, selbst her. Schlittenhunde können also ohne Kohlenhydrate im Futter hart arbeiten. Nur: Sie laufen Ausdauer, keine kurzen Sprints.

Der eine belegte Befund

Reynolds und Kollegen liessen 1997 trainierte Huskies 30 Kilometer laufen. Ein Teil bekam direkt danach 1,5 g Kohlenhydrate pro kg Körpergewicht in Wasser. Nach vier Stunden hatten diese Hunde rund die Hälfte des verbrauchten Muskelglykogens ersetzt, die anderen noch nichts. Joseph Wakshlag von der Cornell University empfiehlt deshalb in einem Fachbeitrag diese Menge innert 30 Minuten für Hunde, die am Tag zwischen fünf Minuten und drei Stunden laufen, besonders wenn sie am nächsten Tag wieder gefordert sind. Gemessen wurde in der Studie das Glykogen, nicht die Leistung.

Umgerechnet aufs Körpergewicht ist das die Menge aus der Studie:

KörpergewichtKohlenhydrateMaltodextrin in Wasseroder Reis, gekocht
20 kg30 grund 32 grund 105 g
25 kg38 grund 40 grund 135 g
30 kg45 grund 47 grund 160 g
35 kg53 grund 55 grund 185 g
40 kg60 grund 63 grund 215 g

Gerechnet mit 1,5 g Kohlenhydraten pro kg Körpergewicht, Maltodextrin mit rund 95 % Kohlenhydraten, gekochter weisser Reis mit rund 28 g pro 100 g. Für gesunde, ausgewachsene Hunde. Das ist die Menge aus einer Studie an Schlittenhunden nach einem 30-km-Lauf, keine geprüfte Empfehlung für Schutzhunde. Ich selbst gebe im normalen Training weniger. Nach einem normalen Spaziergang braucht es das nicht.

Was offen ist

Eine Fütterungsstudie an Schutzhunden habe ich nicht gefunden. Nicht eine. Bei 17 Gewichtzieh-Hunden brachte ein Kohlenhydrat-Riegel zwischen zwei Zugserien keinen gesicherten Effekt auf die Leistung. Das Laktat im Blut stieg dabei kaum, das Ziehen war also wenig anaerob.

Beim Schutzdienst ist das anders. Eine italienische Studie hat 2026 sieben Schäferhunde während des Schutzdienstes einer IGP1 gemessen: Das Laktat stieg von 2,2 auf rund 9 mmol/l. Das spricht für deutlich anaerobe Arbeit, bei der der Muskel Glykogen verbraucht. Wie viel, zeigt das Laktat nicht, und Futter wurden keine verglichen.

Wie viel Glykogen nach einem Trainingstag im Schutzdienst fehlt, dazu habe ich keine Messung gefunden. Und bei Renn-Greyhounds änderte sich in den beiden vorhandenen Versuchen neben den Kohlenhydraten immer auch das Protein. Was die Kohlenhydrate allein bewirken, zeigen sie nicht.

Die jüngste Fütterungsstudie mit Arbeitshunden, die ich gefunden habe, kommt aus Neuseeland (2021). 22 Hütehunde bekamen per Los entweder ein übliches Futter oder eines fast ohne Kohlenhydrate. Die Hunde ohne Kohlenhydrate bewegten sich mehr, ihr Blutzucker fiel aber öfter tief, meistens nachts. Die Arbeitsleistung wurde nicht gemessen.

Was ich daraus mache

Ich füttere heute ein Alleinfutter mit Kohlenhydraten als Basis und gebe etwas Rohfutter dazu. Nach harter Arbeit bekommen meine Hunde zusätzlich Reis oder Maltodextrin. Belegt ist, dass das bei Schlittenhunden das Glykogen schneller auffüllt. Dass es auch meinem Malinois nach dem Schutzdienst hilft, ist meine Folgerung, kein Nachweis. Die Gabe passt zu jeder Fütterung, auch zu reinem Rohfutter.

Die ganze Analyse mit allen Studien, Tabellen und Grafiken, meiner eigenen Fütterung nachgerechnet und einer ehrlichen Liste, was belegt ist und was nicht, liest du im Artikel «Wie ich füttere: Was die Forschung über Sporthunde wirklich weiss».

Quellen

  • Kronfeld DS, Hammel EP, Ramberg CF, Dunlap HL (1977). Hematological and metabolic responses to training in racing sled dogs fed diets containing medium, low, or zero carbohydrate. American Journal of Clinical Nutrition, 30(3), 419-430.
  • Reynolds AJ, Carey DP, Reinhart GA, et al. (1997). Effect of postexercise carbohydrate supplementation on muscle glycogen repletion in trained sled dogs. American Journal of Veterinary Research, 58(11), 1252-1256.
  • Wakshlag JJ. The new age of working dogs. Fachbeitrag ohne Datum, als PDF 2015 bei petfoodindustry.com abgelegt (Empfehlung 1,5 g Maltodextrin pro kg innert 30 Minuten).
  • Frye CW, VanDeventer GM, Dinallo GK, et al. (2017). The effects of a post-exercise carbohydrate and protein supplement on repeat performance, serum chemistry, insulin and glucagon in competitive weight-pulling dogs. Journal of Nutritional Science, 6. doi:10.1017/jns.2017.23. Finanziert durch Nestlé Purina.
  • Cocco R, Sechi S, Rizzo M, et al. (2026). Metabolic and Physiological Responses of Trained Working Dogs During the Protection Phase of the IGP1. Veterinary Sciences, 13(4), 355.
  • Hill RC, Bloomberg MS, Legrand-Defretin V, et al. (2000). Maintenance energy requirements and the effect of diet on performance of racing Greyhounds. American Journal of Veterinary Research, 61(12), 1566-1573.
  • Hill RC, Lewis DD, Scott KC, et al. (2001). Effect of increased dietary protein and decreased dietary carbohydrate on performance and body composition in racing Greyhounds. American Journal of Veterinary Research, 62(3), 440-447.
  • Gal A, Cuttance W, Cave N, et al. (2021). Less is more? Ultra-low carbohydrate diet and working dogs’ performance. PLoS ONE, 16(12), e0261506.

Dieser Text gibt den Stand der genannten Studien wieder und ersetzt keine tierärztliche Ernährungsberatung. Die Studien habe ich im Original oder in der offiziellen Zusammenfassung gelesen und im Oktober 2026 nach neueren Arbeiten gesucht. Kennst du eine, die fehlt? Schreib mir. Stand: Oktober 2026.

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