Anny Malo & Marco Rivest: 30 Jahre auf dem Hundeschlitten

Anny Malo hat das Pedigree Stage Stop Race in Wyoming siebenmal gewonnen, zuletzt 2026, und als Erste viermal in Folge. Sie ist Biologin und lebt mit ihrem Mann Marco Rivest und vierzig Hunden in Saint-Zénon in Québec. Jeden Winter sind die beiden mehr als drei Monate mit dem Gespann unterwegs. Für Mente Canina hat sie aufgeschrieben, wie sie füttern, was sie weglassen und warum Marco ihr nach einer schweren Zeit das Rennteam übergab.

Für mich sind die beiden seit Jahren das Mass aller Dinge. Ich war selbst Musher, und ich bewundere ihre Art, mit den Hunden zu arbeiten. Und ihre Hunde sind der Hammer.

Schlittenhundegespann in vollem Lauf auf einer verschneiten Rennstrecke, dahinter die Musherin
Ein Gespann des Kennels Malo-Rivest in vollem Lauf.
Musherin und Gespann von hinten im dichten Schneetreiben, daneben Schneemobile der Rennleitung
Im Schneetreiben im Bridger National Forest in Wyoming.

«Er hat mich mit seinen Hunden umworben»

Wie seid ihr zu den Schlittenhunden gekommen?

Marco hat mit zehn Jahren angefangen. Er kümmerte sich um die Hunde seines Onkels, der ein Tourismusunternehmen hat. Mit elf fuhr er schon Rennen, in einer Mitteldistanz-Serie in Québec über 50 bis 60 Kilometer, und hatte Pokale und Medaillen gewonnen. Damals hatte er bereits einen Kennel mit rund sechzig Hunden, und seine ganze Familie fuhr eigene Gespanne.

Ich selbst bin spät dazugekommen, mit 25, und zwar durch Marco. Wir scherzen bis heute, dass er seine vierbeinigen Freunde benutzt hat, um mich zu umwerben. Jeden Abend nach der Arbeit nahm er mich im Schlitten mit, kilometerweit. 1996 fuhr ich mein erstes Rennen über 50 Kilometer. Da begann das Abenteuer.

Drei Bilder: Anny Malo zwischen ihren Hunden, zwei Hunde im Geschirr, Anny Malo und Marco Rivest im Schnee
Anny Malo mit ihren Hunden im Kennel, zwei aus dem Team im Geschirr, und Anny mit Marco Rivest.

Wie hat sich eure Laufbahn entwickelt?

Im Jahr darauf wollten wir nach Alaska, um bei einem Musher als Helfer zu arbeiten und alles über den Sport zu lernen, dort, wo Mushing Nationalsport ist. 1998 fuhren wir hin, zu Joee Redington, einem Musher, der auf die längsten Sprintrennen spezialisiert war. Es war die Erfahrung unseres Lebens. Acht Monate lang lernten wir alles über Blutlinien, Training, Ausrüstung und Trails. Das reine Paradies.

Zurück in Québec fuhren wir in der Rennserie der Provinz. Aber die Rennen wurden kürzer, und wir sehnten uns nach grösseren Herausforderungen. 2002 reisten wir zum zweiten Mal nach Alaska, zum ONAC. Marco fuhr mit jungen Hunden, die zum Fundament unserer Blutlinie wurden. Auf dem Weg machten wir bei der Rennserie im Westen Kanadas halt, und die Rennen dort gefielen uns sehr: 60 Kilometer an drei Tagen, mit Massenstart. Dort lernten wir am meisten darüber, was wir bei unseren Athleten suchen: lange Distanzen, oft grosse Kälte und vor allem hohes Tempo. Unsere Zucht richtete sich danach aus, und wir fuhren dort bis 2010.

«Er sagte, er habe es lange genug gemacht, jetzt sei ich dran.»

In jenem Jahr erfuhr ich, dass ich Brustkrebs habe. Mein Leben stand zwei Jahre still. Wir verkleinerten den Kennel und fuhren unsere Aktivitäten zurück, um uns um uns selbst zu kümmern.

In meiner Remission 2012 gönnten wir uns eine Reise mit den Hunden zum berühmten Pedigree Stage Stop in Wyoming. Marco fuhr das Team, ich genoss mit den Kindern die Landschaft. Nach dieser schweren Zeit überliess Marco mir das Wettkampfteam. Er sagte, er habe es lange genug gemacht, jetzt sei ich dran.

Welche Rolle spielten eure Kinder?

Unser erster Sohn Tristan war neun Monate alt, als wir 2002 nach Alaska fuhren. Marco und ich waren uns einig: Das sollte ein Familienabenteuer sein, solange die Kinder zu Hause leben. Später kam Elliot dazu, unser zweiter Sohn, und wir kehrten mit unserer kleinen Familie immer wieder zu den Rennen im Westen zurück. Nach meiner Krankheit folgten Winter für Winter Reisen in den Westen Kanadas und in die USA, mit der Familie, den Hunden und dem Anhänger.

Es ist immer Teamarbeit, wir machen alles gemeinsam. Die Kinder sind heute erwachsen, aber nie weit weg vom Kennel. Heute sind wir den ganzen Winter unterwegs, mit unseren vierzig Hunden, bei Mitteldistanz-Rennen und Etappenrennen.

Anny Malo mit Mütze und gelber Startweste, den Blick nach unten gerichtet
Anny Malo am Pedigree Stage Stop Race.
Anny Malo mit Startnummer neben ihrem Schlitten im Zielgelände
Anny Malo mit ihrem Schlitten am Pedigree Stage Stop Race.

Anny, du bist Biologin. Wie prägt das deine Arbeit mit den Hunden?

Sehr. Biologin zu sein und als Musherin zu leben, gehört für mich eng zusammen. Meine Leidenschaft für die Biologie kam aus einer natürlichen Neugier auf das Leben um mich herum. Als Kind verbrachte ich Stunden draussen und war ganz versunken darin, Tiere in ihrem Lebensraum zu beobachten. Als Wissenschaftlerin beobachte ich ständig, lerne dazu und verknüpfe Wissen. Das ist genauso wertvoll, wenn man mit einem Hundegespann in der Wildnis unterwegs ist. Jeder Tag bringt neue Herausforderungen und Gelegenheiten, die Verbindung zur Natur und zu meinen Hunden zu vertiefen.

Ein Tag im Kennel

Wie sieht ein normaler Tag bei euch aus?

Der Tag beginnt mit dem Saubermachen am Morgen, dann wird getränkt. Trainiert wird je nach Jahreszeit: im Winter mit dem Schlitten, im Rest des Jahres mit dem Quad, wenn es kühler ist als 12 Grad. Manchmal ist Spielzeit im Hof mit Welpen und erwachsenen Hunden, oder es gibt Spaziergänge an der Leine. Das zieht sich durch den ganzen Tag. Am Schluss wird gefüttert.

Wie viel Zeit braucht ihr täglich für Fütterung und Pflege?

An einem Tag ohne Anspannen im Schnitt etwa drei Stunden. An Trainings- und Renntagen sind es fünf.

Wie stimmt ihr Training, Fütterung und Erholung ab?

Wenn die Temperatur passt, spannen wir das ganze Jahr an. Ab Mitte August trainieren wir dann konsequent jeden zweiten Tag. Dieser Rhythmus hilft den Hunden, sich nach jeder Einheit zu erholen. Gefüttert wird am Morgen vor dem Training, gleich danach gibt es eine leichte Suppe. Die Hauptmahlzeit gibt es am Abend.

Schlittenhund im Geschirr mit offenem Maul und heraushängender Zunge, von vorn
Ein Hund aus dem Gespann, mitten im Lauf.

Was in den Napf kommt

Was sind eure Grundsätze, und füttert ihr Rohfleisch, Trockenfutter oder beides?

Unser Grundsatz: Jeder Hund bekommt eine vollwertige Mahlzeit aus hochwertigem handelsüblichem Trockenfutter (32/20, also 32 % Protein und 20 % Fett). Dazu kommt etwa ein Pfund ziemlich mageres Rindfleisch, aufgetaut und mit dem Trockenfutter und Wasser vermischt. In Trainingsphasen füttern wir mindestens dreimal am Tag: eine leichte Suppe am Morgen, eine gehaltvollere nach dem Training und eine noch kräftigere am Abend.

Wie passt ihr das Futter für junge, aktive und alte Hunde an?

Vor allem über die Menge. Alle Hunde fressen dasselbe. Welpen und die Mutterhündin werden zweimal am Tag gefüttert.

Und wählerische Fresser?

Die bekommen kleinere Mengen, dafür öfter. Das Fressen ist aber meist das kleinere Problem. Auf dem Truck ist die eigentliche Herausforderung, die Hunde zum Trinken zu bringen. Manchmal geben wir weiches Futter dazu, etwa Nassfutter, damit das Wasser attraktiver wird.

DER KENNEL MALO-RIVEST IN ZAHLEN
  • 40 Hunde, jeden Winter über drei Monate unterwegs
  • Trockenfutter mit 32 % Protein und 20 % Fett, dazu etwa ein Pfund mageres Rindfleisch pro Hund
  • In Trainingsphasen mindestens drei Mahlzeiten am Tag
  • 4,5 bis 5 Liter Wasser pro Hund an einem Renntag
  • 3000 Pfund Rindfleisch und 2000 Pfund Trockenfutter für eine Rennsaison

Training und Rennen

Wie füttert ihr in Trainingsphasen?

Am Morgen gibt es Suppe mit Rindfleisch und Trockenfutter. Nach dem Training bekommen die Hunde dieselbe Suppe, dazu Glycocharge für die Erholung. Die Hauptmahlzeit aus unserem üblichen Trockenfutter und Rindfleisch ergänzen wir mit Omega-3-Öl und Hokamix. Nach längeren Trainingsläufen kommt Impact dazu.

Wann genau gebt ihr die Zusätze?

Glycocharge kommt in die Suppe nach dem Training, und die gibt es innert 30 Minuten nach der Belastung. Alle anderen Zusätze kommen in die Hauptmahlzeit am Abend.

EINORDNUNG DER REDAKTION

Das Zeitfenster ist untersucht. In einer Studie bekamen Schlittenhunde sofort nach einem Lauf über 30 Kilometer 1,5 Gramm Kohlenhydrate pro Kilo Körpergewicht. Nach vier Stunden hatten sie 49 % des verbrauchten Muskelglykogens ersetzt, die Hunde ohne Gabe noch nichts. [1] Was genau in den Präparaten der beiden steckt, haben wir nicht geprüft.

Was ändert ihr vor einem Rennen?

In der Rennsaison geben wir Probiotika und Flohsamenschalen (Psyllium) in die Hauptmahlzeit. Das ist die einzige Änderung am Rezept. Die Mengen hängen von der Art des Rennens und der Temperatur ab.

Wie füttert ihr bei einem Etappenrennen wie dem Stage Stop?

Beständigkeit ist entscheidend. Eine feste Fütterungsroutine in der Trainings- und in der Rennsaison ist unerlässlich, damit die Hunde gesund bleiben.

Passt ihr die Fütterung an die Etappe an?

Ja. Man muss die Bedingungen bedenken, die auf die Hunde zukommen. Kälte, lange Distanzen und hügeliges Gelände verlangen mehr Futter, weil die Hunde mehr Energie verbrauchen. Bei warmem Wetter, auf kurzen Strecken oder flachen Trails verbrauchen sie weniger. Dann geben wir weniger Futter und achten stärker auf das Trinken. Mehr Wasser hält die Hunde gut versorgt und senkt das Risiko der Überhitzung.

Gespann in voller Fahrt auf einer Schneefläche, dahinter eine schroffe Bergkette
Vor Bergkulisse unterwegs.
Musherin mit Schutzbrille auf dem Schlitten, davor die Hunde in voller Fahrt
In voller Fahrt.
Langes Hundegespann in offener Schneelandschaft mit Kiefern
Im offenen Gelände.

Wie füttert ihr nach einem harten Training oder einem Rennen?

Der Unterschied liegt in der Menge, und es gibt viel Wasser. An einem Renntag trinken die Hunde 4,5 bis 5 Liter.

Woran merkt ihr, dass ein Hund zu wenig Energie bekommt?

Wir leben in der Rennsaison eng mit den Hunden zusammen und beobachten sie ständig. So wissen wir, wann jeder Hund sein Idealgewicht hat, und schon die kleinste Veränderung fällt auf. Dann passen wir das Futter sofort an. Man darf die Kontrolle über das Gewicht nicht verlieren. Wenn ein Hund deutlich abnimmt, fehlt ihm Energie, und es dauert viele Tage, ihn wieder in Form zu bringen.

Was ist die grösste Herausforderung im Rennen?

Den Zeitplan einzuhalten, bei all dem Reisen. Und, ganz wichtig, die Hunde gut mit Wasser zu versorgen.

Wie bringt ihr die Hunde unter Stress zum Fressen?

Routine ist der Schlüssel. Die Hunde fressen jeden Tag zur gleichen Zeit in ihrer festen Box. Das nimmt den Stress von aussen. Sie lernen das von klein auf. Wir beginnen damit im Anhänger, wenn wir nördlich unseres Kennels unterwegs sind. So gewöhnen sie sich früh an den Ablauf und kommen später gut mit Training und Reisen zurecht.

Was hat eure Fütterung am stärksten geprägt?

Die Erfahrungen unterwegs. Reisen bedeutet mehr Stress für die Hunde und für uns, und das verlangt mehr Aufmerksamkeit bei der Fütterung. Dazu kommen die verschiedenen Rennformate. Jedes stellt eigene Anforderungen und zwingt uns, immer genauer zu füttern.

Gespann auf einem Trail durch verschneiten Birkenwald
Gespann von vorn auf einem verschneiten Weg, die Leithunde im Vordergrund

Unterwegs auf dem Trail: im Wald und mit den Leithunden vorn.

Zusätze und Trends

«Kein Zusatz kann eine schlechte Grundernährung ausgleichen.»

Welche Zusätze verwendet ihr, und wo liegt für euch die Grenze?

Wir geben Glycocharge, Impact, Hokamix, Omega-3-Öl, Probiotika und Flohsamenschalen. Über die Jahre haben wir vieles ausprobiert und genau beobachtet, wie es sich auf die Gesundheit der Hunde auswirkt. Behalten haben wir nur, was ihr Wohlbefinden klar verbessert hat. Die Grundlage jedes guten Fütterungsprogramms ist für uns die Qualität von Trockenfutter und Fleisch. Kein Zusatz kann eine schlechte Grundernährung ausgleichen. Wir verfolgen neue Forschung und neue Produkte, nehmen uns aber Zeit, sie zu prüfen.

Was haltet ihr von getreidefreiem Futter?

Wir beobachten, dass die Hunde getreidefreies Trockenfutter leichter verdauen und so mehr Nährstoffe aufnehmen. Dazu haben wir die Möglichkeit, rohes Fleisch über das Trockenfutter zu geben. Das ist eine sehr gute natürliche Quelle für Protein und Fett.

EINORDNUNG DER REDAKTION

Das ist die Beobachtung der beiden an ihren eigenen Hunden. Eine Studie nennen sie dazu nicht, und wir haben keine geprüft. Dem Thema «getreidefrei» widmen wir uns in einer der nächsten Ausgaben.

3000 Pfund Fleisch im Gepäck

Wie organisiert ihr die Fütterung auf langen Reisen?

In der Rennsaison sind wir über drei Monate mit den Hunden von zu Hause weg. Damit die Fütterung gleich bleibt, nehmen wir alles mit: 3000 Pfund Rindfleisch, 2000 Pfund Trockenfutter und viele Behälter mit Glycocharge, Impact, Flohsamenschalen, Hokamix und Probiotika. Am besten bewährt hat sich, die richtige Menge jeder Zutat direkt in jeden Napf abzumessen und dort zu mischen.

Für die Hauptmahlzeit tauen wir das Fleisch täglich auf und mischen es mit Trockenfutter und den Zusätzen, dazu kommt ein Drittel bis ein halber Liter warmes Wasser. Für die Suppe am Morgen taut das Fleisch über Nacht in einer grossen Kühlbox mit heissem Wasser auf. Am Morgen kommen Trockenfutter und Impact oder Glycocharge dazu, je nachdem, ob es vor oder nach dem Rennen oder Training ist.

Wie haltet ihr es mit der Hygiene bei Fleisch und Suppen?

Wir reinigen täglich mit warmem Wasser und verwenden gelegentlich Javelwasser. Hühnerfleisch füttern wir auf Reisen nicht. Es ist fetter und verdirbt bei wechselnden Temperaturen leichter, und Kühlung ist unterwegs nicht immer möglich. Bei Wärme mögen unsere Hunde fettes Hühnerfleisch ohnehin nicht.

«Wir sind, was wir essen»

Marco Rivest in rotem Kapuzenpullover an einem Restauranttisch vor einem vollen Teller
Marco Rivest.

Welche Rolle spielt die Fütterung für die Gesundheit auf lange Sicht?

Sie ist alles! Billiges Trockenfutter oder kleinere Portionen sehen kurzfristig nach Sparen aus. Das kann aber ernste Folgen für die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit des Hundes haben. Mangelhafte Ernährung verschlechtert sein Wohlbefinden, kann sein Leben verkürzen und seine Lebensqualität mindern. Und das wirkt sich direkt auf die sportliche Leistung aus. Für Gelenke, Fell und Immunsystem gilt dasselbe. Wir sind, was wir essen.

Seht ihr einen Zusammenhang zwischen Fressen und Verhalten?

Unbedingt. Wer genau beobachtet, wie ein Hund frisst, erfährt viel über seinen Zustand. An den Fressgewohnheiten erkennt man Müdigkeit, Verletzungen, Stress oder Angst. Die Mahlzeit ist eine wichtige Gelegenheit, Verhalten und Wohlbefinden zu prüfen und Veränderungen früh zu bemerken.

Was bedeutet die Fütterung für das Vertrauen zwischen euch und den Hunden?

Sie zieht sich wie ein roter Faden durch unsere Beziehung zu den Hunden und hängt mit allem zusammen: Erziehung, Training, Pflege. Jede Mahlzeit ist mehr als Routine. Die Hunde freuen sich darauf, und daran sehen wir, dass es ihnen gut geht.

Und eure Kinder?

Sie sind mit uns im Kennel aufgewachsen. Auch wenn ihre Wege heute in verschiedene Richtungen führen, kommen sie immer wieder zurück und helfen beim Saubermachen, Füttern und Training. Manchmal fahren sie sogar Rennen mit. Diese gemeinsame Leidenschaft stärkt unsere Familie, und die Hunde profitieren von der Vertrautheit.

Was jeder Hundehalter mitnehmen kann

Was können normale Hundehalter von euch lernen?

Drei Dinge. Erstens Qualität: Das Futter soll aus einer verlässlichen Nährstoffquelle stammen. Zweitens eine feste Routine: Gleiche Zeiten und Abläufe geben dem Hund Sicherheit. Drittens die Menge: Sie muss zum Aktivitätsniveau passen, ob der Hund sehr aktiv ist oder eher ruhig.

Und dazu: Mach aus dem Füttern mehr als eine Pflicht. Jede Mahlzeit ist eine Gelegenheit, deinen Hund zu beobachten. Wer genau hinschaut, bemerkt feine Veränderungen bei Verhalten, Appetit und Gesundheit und kann früh reagieren.

Kurz gefragt

Der häufigste Fehler von Hundehaltern? Billiges Trockenfutter, und zu viel davon.

Grasfressen: Mangel oder normal? In über 30 Jahren habe ich beobachtet: Hunde, die frei laufen, kauen Holz, fressen Gras, knabbern an Gestrüpp und fressen sogar Erde. Das ist üblich und deutet nach meiner Erfahrung nicht zwingend auf einen Mangel hin.

Ernährungsberater im Internet? Ich lese nichts über Ernährung in sozialen Medien.

Was heisst «artgerecht» für dich? Fleischfresser gegen Pflanzenfresser???

Was kostet die Fütterung eines Teams? Das rechnen wir ehrlich gesagt nicht aus, weil wir den ganzen Kennel fast gleich füttern. Und vielleicht wollen wir den Preis gar nicht wissen, hahaha!

Habt ihr Futter-Sponsoren? Nein. Wir wollen frei wählen können, woher unsere Nährstoffe kommen.

Welchen Mythos möchtest du widerlegen? Dass rohes Fleisch gefährlich oder schlecht für Hunde sei.

EINORDNUNG DER REDAKTION

Zur Einordnung gehört die Hygiene. Die Universität Zürich untersuchte 2019 51 Rohfutter-Proben aus dem Schweizer Handel. 72,5 % erfüllten die Hygienenorm für Enterobakterien nicht, in rund 60 % fanden sich antibiotikaresistente Keime, in 3,9 % Salmonellen. Die Forscherinnen raten zu strenger Hygiene im Umgang mit Rohfutter. [2] Auch im Kennel Malo-Rivest wird täglich gereinigt.

Eure Fütterung in einem Satz? Fütterung ist eines der drei Grundbedürfnisse eines Hundes und braucht gutes Futter, passende Portionen und eine feste Routine.

Noch vier Tipps von Anny

  • Unter Stress, etwa nach einer Operation, verdauen Hunde besser, wenn sie kleine Portionen über den Tag verteilt bekommen.
  • Probiotika und Flohsamenschalen helfen Hunden, sich von Durchfall zu erholen, und lassen sich auch vorbeugend geben.
  • Am Abend nach einem Rennen lassen wir die Hunde frei laufen und geben ihnen klares Wasser, damit sie genug trinken.
  • Bei Arthrose ist Omega-3 nach neuerer Forschung deutlich wirksamer als Glucosamin.
EINORDNUNG DER REDAKTION

Anny verweist auf eine Übersichtsarbeit von 2022. Wir haben nachgelesen: Sie wertete 57 Veröffentlichungen aus und fand eine deutliche schmerzlindernde Wirkung für Omega-3. Für Präparate mit Chondroitin und Glucosamin fand sie keine Wirkung. [3]

Quellen der Einordnungen

[1] Reynolds AJ, Carey DP, Reinhart GA, et al. Effect of postexercise carbohydrate supplementation on muscle glycogen repletion in trained sled dogs. Am J Vet Res. 1997;58:1252-1256.

[2] Nüesch-Inderbinen M, Treier A, Zurfluh K, Stephan R. Raw meat-based diets for companion animals: a potential source of transmission of pathogenic and antimicrobial-resistant Enterobacteriaceae. R Soc Open Sci. 2019;6:191170. https://doi.org/10.1098/rsos.191170

[3] Barbeau-Grégoire M, Otis C, Cournoyer A, Moreau M, Lussier B, Troncy E. A 2022 systematic review and meta-analysis of enriched therapeutic diets and nutraceuticals in canine and feline osteoarthritis. Int J Mol Sci. 2022;23(18):10384. https://doi.org/10.3390/ijms231810384

Das Interview wurde 2025 schriftlich auf Englisch geführt. Anny Malo hat für beide geantwortet. Übersetzt, gekürzt und geordnet von der Redaktion. Am Inhalt der Antworten wurde nichts geändert. Fotos: zur Verfügung gestellt von Anny Malo und Marco Rivest.